"Lieber Christian"

Valentinstag in der Politik. Alma Zadić schrieb mir ein herzliches Mail, Werner Kogler und seine Partnerin gaben ein Liebesinterview. Oooooch!

Ich erinnere mich dunkel daran, mit Alma Zadić einmal vor Jahren in einer Fernseh-Diskussion gewesen zu sein, auf der Regierungsklausur haben wir uns gegrüßt und freundlich die Hand gegeben, mehr war da nicht. Wir waren in unterschiedlichen Bussen angereist, sie bei Kurz, ich bei den einfachen Leuten. Wir sind also etwa so eng miteinander wie rund acht Milliarden Menschen auf der Erde glauben, der beste Freund von Arnold Schwarzenegger zu sein. Aber sie ist offenbar an einem Ausbau der Beziehungen interessiert, denn sie schrieb mir gestern ein sehr freundliches Mail, es war übertitelt mit „Lieber Christian“.

Zu meiner großen Enttäuschung stellte ich rasch fest, dass sie offenbar mit einigen Mitgliedern der Redaktion anbandeln wollte, denn viele bekamen Mails, es wimmelte nur so von Schreiben, die mit „Lieber Peter“, „Lieber Mathias“ oder „Liebe Claudia“ begannen. Aber ich hatte es immerhin besser erwischt als Robert Zwickelsdorfer. Der „Heute“-Politikchef wurde mit „Liebe Robert“ begrüßt, die Justizministerin geht also davon aus, dass er ein Mädchen ist. Ich kann das in dieser Form nicht bestätigen.

"Dringend Geld"

Ich weiß nicht, ob Alma Zadić auch dem Kanzler ein Mail geschrieben hat, es müsste mit „Lieber Sebastian“ begonnen haben, aber sie ist sichtlich schon zu ihm durchgedrungen, das gelingt nicht jedem und jeder. In dem Schreiben an mich fasst sie zunächst die Ergebnisse des eckigen, runden Tisches zusammen. Es sei ihr „ein Anliegen“ gewesen, „bei der Aussprache am Montag klarzustellen, dass jede parteipolitische Einflussnahme auf die Justiz abzulehnen ist und dass die österreichischen Staatsanwaltschaften selbstverständlich objektiv und unabhängig von Parteizugehörigkeit ermitteln“. Ich habe nachgeschaut, aber im Regierungsprogramm nirgendwo eine Passage gefunden, etwa im Unterkapitel „Sonstiges“, die sinngemäß so lauten könnte: „Die Regierung kommt überein, Selbstverständlichkeiten jedweder Art immer klar und deutlich auszusprechen“, aber ich freue mich natürlich, dass schon damit begonnen wurde.

Den Kanzler hat Zadić bereits auf ihrer Seite, er dürfte ein ganz enger Verbündeter sein im Kampf gegen allerlei Auswüchse, die Roten werden noch schauen, wie ihre Netzwerke zerschlagen werden, „Game of Thrones“ wird ein Faschingsumzug dagegen sein. Die Justiz brauche „dringend Geld“, um „Reformen voranzutreiben“, schreibt sie. „ich freue mich, dass wir schon diese Woche den Startschuss zu diesen Reformen geben können. Das sieht mittlerweile auch der Bundeskanzler so!“ 

„Mittlerweile?“ 
„Der Bundeskanzler?“ 
Heißt das, dass die Grünen erst mit Engelszungen auf Sebastian Kurz einreden mussten, damit er jetzt auch „sieht“, dass die „Staatsanwaltschaften selbstverständlich objektiv und unabhängig von Parteizugehörigkeit ermitteln“ sollten. War das gar vorher anders? Mir ist da vieles unklar, aber vielleicht erklärt sich die „Liebe Alma“ dazu in einem weiteren Mail an den „Lieben Christian“, wo doch jetzt schon kein Blatt mehr zwischen uns passt.

Zum Abschluss bedankt sich Zadić für „Euren Support“, ich bin jetzt also schon mehr, sie schließt mit „zuversichtlichen Grüßen“, was übersetzt heißt, dass sie für die Reformen „vorsichtig optimistisch“ ist, mit der Betonung auf „vorsichtig“. Sie zeichnet mit „Grüne Justizministerin“ und bittet dann „Unterstütze mich auf Facebook“, wobei wird nicht erläutert. Soll ich Kurz anrufen und um ein bisschen „Support“ bitten? Vielleicht hat ihm ja Gernot Blümel „mittlerweile“ das Geld für die Justizreform vorbeigebracht oder in einer Sporttasche im Fitness-Studio übergeben. Auch Politiker lieben den kurzen Dienstweg.

"Mittlerweile?"
"Der Kanzler?"

Momentan hat Gernot Blümel sehr viel um die Ohren. Am Samstag, 29. Februar, lässt er sich zum Wiener Landesparteichef wiederwählen, ein Ergebnis unter 102 Prozent wäre so zu werten wie ein „mittlerweile“ für den Kanzler. Nebenbei muss der Finanzminister noch das Budget 2020 runterschreiben, momentan gilt ja ein Provisorium. Am 18. März hält Blümel seine Budgetrede im Parlament, bis dahin sollte er im „Provisorium“ die bisherigen Zahlen ausradiert und neue hingefutzelt haben. Dazu führt er ab jetzt Gespräche mit den anderen Ressorts, allerdings nicht mit den Ministern wie seine Vorgänger, sondern mit den Kabinetts- und Budgetchefs der Ressorts. Es werden also Beichtstuhlgespräche light.

Im Winterpalais von Prinz Eugen, heute Teil des Finanzministeriums in der Wiener City, befindet sich die kleinste Kirche der Erzdiözese Wien. Mit klein meine ich wirklich klein, man kann dort gar keine großen Sünden beichten, es fehlt einfach der Platz dazu. Also für alles, was größer an Sünde ist, muss man in eine richtige Kirche, wer behauptet, dem Kanzler „mittlerweile“ beigebracht zu haben, dass Staatsanwälte keine Lenkdrachen sind, braucht schon den Stephansdom. Blümel muss überhaupt nichts beichten, er holt sich seinen Ablass bei Ovid. 

Der Name „Beichtstuhlgespräche“ leitet sich übrigens tatsächlich von dieser winzigen Kapelle im Finanzministerium ab. Ob daher, dass der Finanzminister anderen Ministern beichten musste, dass er kein Geld mehr hat, oder die anderen Minister dem Finanzminister beichten mussten, dass sie ihr ganzes Geld schon beim Fenster hinausgeschmissen haben, weiß ich nicht.

Im Beichtstuhl

Es gab Werner Kogler (58) schon allein in eher privat gehaltenen Interviews und seine Lebenspartnerin Sabine Jungwirth (51) ebenfalls. Ein großes österreichisches Frauenmagazin, das naheliegenderweise „Woman“ heißt, brachte den Vizekanzler und seine Lebenspartnerin jetzt zusammen an einen Tisch, was sehr löblich ist, denn die beiden sehen sich kaum, immerhin habe man aber zuletzt gemeinsam das Finale der Australian Open angeschaut, gestanden sie. Das Interview beginnt so, wie es viele Frauen im Alltag mutmaßlich schon einmal (?) erlebt haben. Sie sitzt beim Kräutertee, er kommt eine Viertelstunde zu spät in den „Adlerhof“ in Wien, busselt seine Liebe, checkt dann am Handy noch ein paar Mails, dann schaltet er das Smartphone auf Flugmodus, immerhin. Soll Kurz schauen, wie er eineinhalb Stunden allein zurechtkommt, das wird er schon schaffen, jetzt wo es ihm Alma Zadić „mittlerweile“ beigebracht hat.

Sabine Jungwirth ist Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, auch Politikerin also, Anfang März tritt sie bei den Kammerwahlen an. Werner Kogler und sie sind seit zehn Jahren ein Paar, am Anfang hielten sie ihre Beziehung geheim („das posaunt man ja auch nicht gleich herum“). Offenbar gefiel das Kogler, denn auch als er sich mit Kurz längst einig war, griff er nicht zur Posaune, aber das ist eine alte Leier. Bei einer Veranstaltung habe es gefunkt, also zwischen Kogler und Jungwirth, aber zwischen Kogler und Kurz war das ähnlich. Bei der Weinkost der „Kleinen Zeitung“ am Pogusch letzten August setzten sich die beiden länger zusammen. Ich glaube Kogler denkt heute noch, dass der Kanzler dies spontan und ohne Hintergedanken gemacht hätte, Männer sind ja oft seltsam, wenn es einmal funkt. 

"Im Flirten nie begabt"

Bei Kogler und Jungwirth vor zehn Jahren war auch Absicht dahinter, nämlich eine private Koalition einzugehen. Die Sondierungsgespräche liefen so ab, dass man bei der genannten Veranstaltung ein paar Sessel voneinander entfernt saß und da habe man „miteinander geflirtet“. Flirten? Mit Kogler? Das geht? Wie, will die Reporterin wissen. „Na ja, durch Lächeln“, sagt sie, aber das scheint selbst ihm neu gewesen zu sein. „Ich weiß nicht“, sagt er, „im Flirten war ich nie besonders begabt.“ Ich muss das bei Gelegenheit bei Kurz gegenchecken.

An der Quantität kann die Flirterei nicht scheitern, das ist Sabine Jungwirth auch schon aufgefallen. „Ausschweifender reden tust schon gell?“, sagt sie, charmanter wurde das wohl noch nie beschrieben. „Aber freilich“, fügt sie an, „ich komme trotzdem zu Wort“, später ergänzt sie, „klar sage ich hin und wieder meine Meinung“. Eine klare Meinung hat sie offenbar auch zum Regierungspartner. Zu Sebastian Kurz fällt ihr nur „ist der Bundeskanzler“ ein. Nicht grundsätzlich falsch, aber auch nicht von großer Herzlichkeit getragen. Kogler wird da etwas „ausschweifender“. Er sagt: „Man kann viel mehr von ihm lernen, als ihm manche zugestehen“.

Das hat „mittlerweile“ auch Alma Zadić begriffen.

Ich hoffe, Sie sind im Begriff, einen einen wunderbaren Tag zu haben.

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