Flug in den Tod

Sechs Minuten nach dem Start reißt der Kontakt zum Flugzeug ab, wenig später zerschellt es in einem Feld. 157 Menschen sterben, darunter drei Ärzte und ein Pfarrer aus Österreich.

Foto: Reuters

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Am Sonntag um 8.38 Uhr hebt der Ethiopian-Airlines-Flug ET 302 am Flughafen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in Richtung Nairobi ab. Die neue Boeing 737 Max 8 ist erst seit November im Einsatz, stürzt kurz nach dem Start ab. Alle 157 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Laut Ethiopian Airlines hatte der Pilot kurz nach dem Start Probleme mit dem Flugzeug gemeldet und um eine Rückkehr zum Flughafen gebeten. Der Tower stimmte zu, doch dann brach der Funkkontakt ab.

"Heute.at" beantwortet die wichtigsten Fragen zur Katastrophe.

Weltweit berichteten Medien über das tragische Unglück.

Weltweit berichteten Medien über das tragische Unglück.

Wer sind die Opfer?

Bei dem Unglück kamen 157 Personen ums Leben. Unter den Toten befinden sich 32 Kenianer, 18 Kanadier, neun Äthiopier, jeweils acht Italiener, Amerikaner und Chinesen, neun Franzosen, sieben Briten, sechs Ägypter, fünf Deutsche, drei Österreicher und vier Slowaken und Inder.

Trauer um diese vier Österreicher:

Armin S. (31)

Der Mediziner Armin S. hatte im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz gearbeitet. Der Vater des 31-Jährigen ist selbst angesehener Arzt im LKH Rohrbach.

Der Amtsleiter von Haslach ist fassungslos: "Armin ist mit meiner Tochter in die Schule gegangen. Ich kannte ihn und seinen Bruder gut."

Wolfgang E. (30)

Hörbar mitgenommen zeigte sich Dr. Arnulf Ferlitsch, Gastroenterologe aus Wien, im Gespräch mit "Heute.at". Er war am Freitag noch mit Wolfgang E., Arzt-Kollege am AKH in Wien, auf einem Kongress in Kopenhagen (Dänemark).

Im Telefonat berichtet er: "Wolfgang hat dort vor 5.000 Leuten geredet. Es war der beste Vortrag aus Österreich."

Christoph S. (31)

Der 31-jährige Assistenzarzt aus dem Bezirk Scheibbs war im Landeskrankenhaus Steyr (OÖ) auf der Abteilung für Innere Medizin tätig, ist in Wieselburg aufgewachsen, lebte mittlerweile aber mit seiner Freundin in Steyr.

"Die Frau hat im Mai den Geburtstermin. Es ist so unendlich traurig", so ein Erz-Wieselburger zu "Heute.at".

Norman T. (51)

Der evangelischer Pfarrer Norman T. der Kärntner evangelischen Gemeinde in St. Ruprecht war im Auftrag des Weltkirchenrates (Genf) unterwegs zu einer Konferenz in Nairobi. Der 51-Jährige war deutscher Staatsbürger und seit dem Jahr 2000 Pfarrer in St. Ruprecht bei Villach.

Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Die Absturzstelle: Ein Krater voll mit verbogenem Metall, verstreuten Habseligkeiten und sterblichen Überresten. (Foto: Reuters)

Die Absturzstelle: Ein Krater voll mit verbogenem Metall, verstreuten Habseligkeiten und sterblichen Überresten. (Foto: Reuters)

Was hat es mit dem Unglücksflugzeug auf sich?

Bei der Maschine handelt es sich um eine Boeing 737 Max 8. Im letzten Oktober war bereits eine baugleiche Maschine der Lion Air in Indonesien abgestürzt. Zweimal der gleiche Flugzeugtyp, beide werksneu und nur kurze Zeit im Einsatz, zweimal Abstürze wenige Minuten nach dem Start.

Die Boeing 737 Max ist besonders bei amerikanischen und asiatischen Fluggesellschaften verbreitet, gehört aber auch zur Flotte einiger europäischer Airlines. Austrian Airlines ließ auf "Heute.at"-Anfrage wissen, dass man keine Flugzeuge vom Typ B737 Max 8 habe und auch keine Bestellung für diesen Typ getätigt oder vorgesehen habe.

Foto: Boeing

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"Der Blick auf Österreich zeigt, dass keine österreichische Airline ein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max in Betrieb hat", so Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) am Montag in einer Aussendung.

"Die Entscheidung für Österreich, ob ein bestimmter Flugzeugtyp in Österreich bzw. in Europa mit einem Start-Verbot ("Grounding") belegt wird, liegt bei der EASA, der Europäischen Agentur für Flugsicherheit. In Österreich kann einem Flugzeug nur dann den Start verwehrt werden, wenn bei einem Check auf einem österreichischen Flughafen ein gravierender Mangel festgestellt wurde."

Boeings Aktienkurs brach nach dem Unglück ein. Die Titel des Konzerns gaben am Montag vor Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street im vorbörslichen elektronischen Handel um mehr als zehn Prozent nach.

Die Boeing 737 Max 8 war erst wenige Monate alt. (Foto: Reuters)

Die Boeing 737 Max 8 war erst wenige Monate alt. (Foto: Reuters)

Was ist die Ursache des Absturzes?

Boeing hat ein Softwareproblem bei Maschinen des Typs 737 Max eingeräumt.

Das Software-Update solle "in den nächsten Wochen" in der 737-Max-Flotte erfolgen. Boeing verwies darauf, dass die US-Luftsicherheitsbehörde FAA die Änderung des Computerprogramms bis April erwarte.

Konkret geht es um ein Programm zur Fluglagestabilisierung (MCAS), bei dem es durch falsche Sensordaten zu Problemen kommen kann. Boeing betonte, dass die Piloten "immer in der Lage sind, die Flugkontrolle manuell außer Kraft zu setzen". Die 737 Max sei "ein sicheres Flugzeug".

Eine neue Software wird hinter dem Unglück vermutet, Boeing hat ein Update angekündigt. Nähere Informationen zum Absturz dürfte der mittlerweile geborgene Flugschreiber bringen. (Foto: Reuters)

Eine neue Software wird hinter dem Unglück vermutet, Boeing hat ein Update angekündigt. Nähere Informationen zum Absturz dürfte der mittlerweile geborgene Flugschreiber bringen. (Foto: Reuters)

Wie fallen die Reaktionen aus?

Nach dem Unglück hat auch Indonesien ein Startverbot verhängt. Alle Maschinen vom baugleichen Typ Boeing 737 Max 8, die indonesischen Fluggesellschaften gehören, müssen bis auf Weiteres auf dem Boden bleiben. Das teilte das Verkehrsministerium in der Hauptstadt Jakarta am Montag mit.

Zuvor hatten bereits China, Äthiopien und die karibische Airline Cayman Airways ähnliche Verbote erlassen. Insgesamt gibt es in dem südostasiatischen Land elf dieser Maschinen. Der indonesische Billigflieger Lion Air - ein privates Unternehmen - hat aktuell zehn solche Flugzeuge in seiner Flotte. Die staatliche indonesische Fluggesellschaft Garuda verfügt nach Angaben des Verkehrsministeriums über eine Boeing 737 Max 8.