Eine Wienerin
erobert die Filmwelt

Mit 24 Jahren gehört Lili Epply zu den größten Nachwuchshoffnungen in der österreichischen Film- und Theaterszene. In Nikolaus Leytners Drama „Südpol“ zeigt sich die junge Schauspielerin von einer neuen Seite.

Credit: Matthias Koslik

Credit: Matthias Koslik

"Wenn Michael Haneke anruft, würde ich nicht Nein sagen", entgegnet Lili Epply lachend beim Interview mit "Heute.at" auf die Frage mit welchem Regisseur sie gerne mal zusammenarbeiten würde. Mit 24 Jahren steht die junge Schauspielerin eigentlich noch am Anfang ihrer Karriere, konnte jedoch schon mehrfach vor der Kamera und auf der Bühne überzeugen.

So auch im neuen Film "Südpol", der am 8. Dezember auf ORF 2 zu sehen ist. Darin spielt die Wienerin eine junge Kellnerin, die von Hans (Jürgen Maurer), einem Mittvierziger in einer schweren Krise, als Geisel genommen wird.

Credit: heute.at

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Das hochkarätig besetzte Drama (u.a. mit Caroline Peters, Laurence Rupp und Franziska Weisz) von Regisseur Nikolaus Leytner erzählt eine Geschichte über das Leben. Mit großer Hingabe agieren Epply und "Vorstadtweiber"-Star Jürgen Maurer in dem Kammerspiel zwischen Wahnsinn, Angst und Verzweiflung.

"Das Drehbuch war schauspielerisch ein totales Geschenk", erzählt die 24-Jährige. "Die Begegnung dieser zwei Menschen, die in einem Raum gefangen sind, hat mich fasziniert. Das war wirklich eine tolle Herausforderung."

Dass sie hervorragend Theater spielen kann, stellte die Tochter eines Friseurs und einer Restaurantleiterin bereits vergangenen Herbst unter Beweis, als sie am Landestheater Niederösterreich in Bertold Brechts Klassiker "Der gute Mensch von Sezuan" in der Hauptrolle der Shen Te zu sehen war. Doch auch im Filmbusiness hat sich die Wienerin in den letzten Jahren erfolgreich behauptet.

Noch während ihres Studiums am Mozarteum erhält sie ihre erste Kinohauptrolle und beeindruckte 2016 an der Seite von Ursula Strauss und Andreas Kiendl im Psychothriller "Mein Fleisch und Blut" als junge Frau mit zwei Gesichtern.

Sie wirkte im Video zum Wanda-Hit "Columbo", sowie in Reinhold Bilgeris Spielfilm "Erik & Erika" mit, verdrehte in der Literaturverfilmung "Die Freibadclique" fünf jungen Männern während der Zeit des zweiten Weltkriegs den Kopf und wurde von Andreas Prochaska für den Historien-Dreiteiler "Maximilian" als Geliebte des angehenden Kaisers engagiert.

Sogar eine große internationale Produktion ist in ihrer Filmbiografie zu finden, da ihr Regisseur Sam Mendes im James-Bond-Film "Spectre" einen kleinen Auftritt als Snowboarderin verschaffte. Damit durfte Epply bei den Dreharbeiten in Tirol erstmals ein bisschen Hollywood-Luft schnuppern.

Lili Epply beim Hessischen Filmpreis in Frankfurt (Credit: picturedesk.com)

Lili Epply beim Hessischen Filmpreis in Frankfurt (Credit: picturedesk.com)

Einem breiteren Fernsehpublikum wurde die Newcomerin durch ihre Rolle in "Schnell ermittelt" bekannt. Darin verkörperte sie die kriminelle Freundin von Angelika Schnells Sohn.

Sie selbst sei noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, wie sie im Interview erzählt: "Ich hab bestimmt mal versucht, etwas zu klauen, aber ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass ich es nicht durchgezogen hab."

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Lili Epply im neuen Film "Südpol" (Credit: ORF)

Lili Epply im neuen Film "Südpol" (Credit: ORF)

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Die junge Kellnerin Ella (Lili Epply) wird von Hans (Jürgen Maurer) als Geisel genommen (Credit: ORF).

Die junge Kellnerin Ella (Lili Epply) wird von Hans (Jürgen Maurer) als Geisel genommen (Credit: ORF).

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Eine Kurzschlusshandlung von Hans verbindet für einen einzigen Tag ihre Lebenswege (Credit: ORF).

Eine Kurzschlusshandlung von Hans verbindet für einen einzigen Tag ihre Lebenswege (Credit: ORF).

Lili Epply mit Ursula Strauss und Katharina Straßer am Set von "Schnell ermittelt" (Credit: picturedesk.com)

Lili Epply mit Ursula Strauss und Katharina Straßer am Set von "Schnell ermittelt" (Credit: picturedesk.com)

Lili Epply als Zimmermädchen in "Das Sacher" an der Seite von Thomas Schubert (Credit: picturedesk.com)

Lili Epply als Zimmermädchen in "Das Sacher" an der Seite von Thomas Schubert (Credit: picturedesk.com)

"Immer wenn ich eine Rolle annehme, entscheide ich mich für einen Menschen"

Generell war die begabte Mimin schon häufig als "Bösewichtin" zu sehen, wie etwa auch im Kinofilm "Ostwind – Aris Ankunft". Festlegen möchte sich Epply darauf aber nicht.

"Ich mag die Varianz. Immer wenn ich eine Rolle annehme, entscheide ich mich auch für einen Menschen. Ich versuche eine Person mitsamt seiner Ambivalenz darzustellen. Da werte ich auch nicht."

In der Vorbereitung lässt sich die 24-jährige oft etwas Besonderes einfallen. Als sie im TV-Mehrteiler "Das Sacher" 2016 die Rolle eines Zimmermädchens übernahm, verbrachte sie zuvor tatsächlich einen Tag im Hotel Sacher mit dem Putzpersonal. Auch für den neuen Film "Südpol" ging die Wienerin nochmal kellnern.

Ihre Figur Ella steht im Drama vor einer schwierigen Entscheidung. Sie selbst versucht in komplizierten Situationen immer auf ihr Bauchgefühl zu hören. "Ich schmeiße mich gerne in Begegnungen rein, um zu sehen, was passiert. Ich mag, dass das Leben so dicht und abwechslungsreich ist."

Und was hat ihre Figur mit der privaten Lili Epply gemeinsam? "Ich würde Ella als eine sehr neugierige, junge und auch willensstarke Frau beschreiben. Ich kann sie sehr gut auf ihrer Suche im Leben und der Lust an Erfahrung verstehen."

Lili Epply im Interview mit Redakteurin Stefanie Riegler

Lili Epply im Interview mit Redakteurin Stefanie Riegler

Jürgen Maurer und Lili Epply bei den Dreharbeiten zum Film "Südpol" (Credit: picturedesk.com)

Jürgen Maurer und Lili Epply bei den Dreharbeiten zum Film "Südpol" (Credit: picturedesk.com)

Ihre Schauspielausbildung hat sie 2019 am Mozarteum in Salzburg erfolgreich abgeschlossen. Der Wunsch zu spielen und Geschichten zu erzählen, war bei ihr früh ausgeprägt.

In ihrer Kindheit tanzt sie Ballett. Mit 15 entscheidet sie sich jedoch für die Schauspielerei und lernt an der "Jungen Burg" die Theaterbühne kennen und lieben. "Ich wollte einfach danach noch wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Schauspiel bietet einfach so viele unterschiedliche Arten sich auszudrücken."

Das Tanzen zähle aber immer noch zu ihren Leidenschaften. Gerade absolviert sie einen Workshop in Amsterdam. "Mir ist es wichtig, dass ich ein Leben habe, in das ich gerne zurückkomme, nachdem ich eine Figur gespielt habe. Und das ist sehr vielschichtig", erzählt sie.

Auch engagiert sie sich bei der Caritas mit dem Projekt "a_way" für obdachlose Jugendliche: "Ich hab tolle Menschen um mich. Dafür bin ich dankbar. Das ist aber nicht selbstverständlich und deswegen versuche ich 'a_way' zu unterstützen. Es ist ein Ort, an den sich Jugendliche, die nicht wissen wohin, wenden können."

Im nächsten Jahr steht ein weiteres großes Filmprojekt bevor, mehr darf die junge Schauspielerin allerdings nicht verraten. Sie blickt entspannt in ihre Zukunft: "Mal sehen, was kommt. Ich mag es, überrascht zu werden."

Lili Epply mit Ulrike Beimpold bei der Premiere von "Erik & Erika" (Credit: picturedesk.com)

Lili Epply mit Ulrike Beimpold bei der Premiere von "Erik & Erika" (Credit: picturedesk.com)

Credit: picturedesk.com

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