Kommt nach der Verlobung das Dosko-Baby?

Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SP) und seine Julia im Weihnachtsinterview mit "Heute"

"Heute": Herr Landeshauptmann, Sie haben Ihrer Partnerin einen Heiratsantrag gemacht. Jetzt fällt mir auf: Am Finger Ihrer Julia fehlt aber etwas …
Hans Peter Doskozil: Richtig, das mit dem Ring haben wir uns noch aufgehoben. Den wird’s erst am 30. Mai geben. Ich bin kein besonderer Schmuckträger, also zögere ich das bis zum letzten Moment hinaus.
Julia Jurtschak: Er muss den Ring dann ja noch lange genug tragen …

"Heute": Sie klingen so cool. Aber war das für Sie gar nicht problematisch?
Jurtschak: Jeder, der ihn kennt, weiß: Er ist sehr pragmatisch und weit weg von Romantik. Ich bin aber auch nicht viel anders – insofern passt es gut. Und, für eine Frau vielleicht untypisch: Auch ich trage kaum Schmuck. Alles okay also.

"Heute": Was darf man sich unter einem pragmatischen Heiratsantrag vorstellen?
Jurtschak: Es ist relativ zügig gegangen, zwischen einem Glas Wein und gegrilltem Fisch. Es war in Aalen, in der Nähe von Stuttgart, in meinem Heimatort. Das war dann die Romantik an der Geschichte.

"Heute": Haben Sie damit gerechnet?
Jurtschak: Ja, das war schon abzusehen.
Doskozil: Ein „Nein“ zu kassieren wäre peinlich gewesen. Insofern musste ich das vorab schon ein bisschen abklären.

"Heute": Verlobung im Heimatort Ihrer Partnerin, Hochzeit ...
Doskozil: … im Burgenland, eh klar. Wobei jetzt, wo wir es öffentlich gemacht haben, müssen wir auf die Suche gehen, um überhaupt eine Location zustande zu bringen. Wir haben im Burgenland ja doch einen gewissen Hochzeitstourismus, da wird’s gar nicht so einfach, noch etwas zu finden.
Jurtschak: Normalerweise plant man Hochzeiten ja eineinhalb Jahre im Voraus. Wir haben jetzt noch fünf Monate Zeit. Aber wir mögen’s ja sportlich, bei uns muss alles zackig gehen.
Doskozil: Irgendein Standesamt wird schon noch einen Platz haben.

"Heute": Hat das Datum eine besondere Bedeutung?
Doskozil: Ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind. Es sollte noch im Frühling sein und nicht im Sommer, da hat sich der 30. Mai irgendwie angeboten.

"Heute": Bemühen Sie da einen Weddingplaner?
Jurtschak: Ich komme ja aus der Eventbranche, es wäre peinlich, wenn ich meine eigene Hochzeit nicht selbst organisieren könnte. Den ein oder anderen Rat werde ich mir von der Mama in der Heimat abholen.

"Heute": Für den musikalischen Rahmen sorgt DJ Dosko?
Doskozil: Ich habe noch nicht mit meinem Sohn gesprochen, aber es bietet sich natürlich an, dass er zu späterer Stunde dann auflegt.

"Heute": Werden Sie den Nachnamen Ihres Mannes annehmen?
Jurtschak:
Ja.
Doskozil: Umgekehrt wäre es blöd gewesen. Ich hätte dann etwa meine "Liste Doskozil" wieder umbenennen müssen.
Jurtschak: Dabei habe ich es kurz mal versucht, das war dann aber schnell wieder auf Eis gelegt.

"Heute": Hätten Sie am Beginn des Jahres für möglich gehalten, am Ende des Jahres als verlobter Mann und Landeshauptmann hier zu sitzen?
Doskozil: Dass ich Landeshauptmann werde, habe ich schon gewusst, das war mit dem Hans Niessl ja seit Längerem ausgemacht. Beim Thema Heiraten habe ich scherzhaft immer gesagt: nie wieder. Und Menschen aus meinem Umfeld habe ich immer gesagt: Überlegt’s euch das gut. Also ich muss gestehen: Ich hätte mir das vor einem Jahr nicht gedacht.

"Heute": Wünschen Sie sich auch Kinder?
Jurtschak: Aus jetziger Sicht würde ich nein sagen. Ich hatte bis jetzt noch nie das Verlangen und Hans Peter hat wunderbare erwachsene Kinder.
Doskozil: Haben Sie geglaubt, wir machen jetzt in dem Tempo weiter und sagen nach der Verlobung: Sie ist im fünften Monat?

"Heute": Wie haben Ihre Kinder auf die Verlobung reagiert?
Doskozil: Wir waren vergangenen Sonntag mit ihnen Mittagessen. Das passt alles ausgezeichnet.

"Heute": Ihr zukünftiger Ehemann wirbt mit „Heimat pur“. Sind Sie schon heimisch im Burgenland geworden?
Jurtschak: Heimat ist für mich dann gegeben, wenn ich mich wohl und geborgen fühle. Das tue ich an seiner Seite, mit ihm. Meine Heimat wird immer Aalen bleiben, aber mein Herz ist bei ihm, also automatisch auch hier.

"Heute": Es schlägt jetzt also fürs Burgenland?
Jurtschak: Mehr für ihn, aber wenn man mit dem Landeshauptmann zusammen ist, geht das ja Hand in Hand.

"Heute": Gibt es eigentlich Sprachbarrieren?
Doskozil: Meinerseits nicht, von ihrer Seite schon.
Jurtschak: Es wird besser, aber es gibt schon Mundart-Redewendungen, die es mir schwer machen. Hans Peters Mutter spricht einen eigenen Dialekt des Südburgenlandes, wenn sie über Gemütszustände spricht, verstehe ich nicht immer auf Anhieb alles.

"Heute": Was gefällt Ihnen am Burgenland?
Jurtschak: Das kleine, das familiäre, der Zusammenhalt – und, dass die Menschen füreinander da sind.

"Heute": Teilen Sie auch die Liebe Ihres Partners für Rapid?
Jurtschak: Wir waren gemeinsam beim Derby.
Doskozil: In Deutschland ist sie ja Bayern-Fan, das darf man gar nicht laut sagen. Ich halte dort ganz klar zu Dortmund, ein Wahnsinn, was die für eine tolle Kulisse haben.

"Heute": Wie feiern Sie heuer Weihnachten?
Doskozil: Wir haben das aufgeteilt. Am 24. und 25.12. sind wir in Deutschland und feiern mit der Familie meiner Verlobten, am Stefanitag dann mit den Kinder bei uns im Burgenland. Da gibt es dann eine Premiere: ich koche.
Jurtschak: Ja, das habe ich so eingeteilt.

"Heute": Was gibt es?
Doskozil: Wenn ich es zustande bringe, werde ich zwei Sorten Fleisch machen – einen gefüllten Braten und Rouladen. Das schaffe ich schon …
Jurtschak: Das ist eine Premiere. Ich habe für alle Fälle schon die Nummer vom Pizzaservice aus dem Internet rausgesucht. Damit unsere Gäste dann nicht verhungern müssen, wenn es nicht klappt.

"Heute": Und am Heiligen Abend?
Jurtschak: Wie in den letzten Jahren: Raclette. Das ist bei uns Tradition.

"Heute": Haben Sie Bräuche, wird gesungen?
Jurtschak: Bisher stand es 2:2 – mein Vater, mein Bruder auf der eine Seite und meine Mutter und ich auf der anderen. Da konnten wir uns noch durchsetzen beim Singen. Jetzt haben wir noch einen Mann in der Familie, da steht es dann 3:2, da haben meine Mutter und ich keine Chance mehr.
Doskozil: Ich muss ja meine Stimme schonen. Das Singen muss heuer wohl ausfallen.
Jurtschak: Dann muss ich ersatzweise vielleicht dafür sorgen, dass jeder ein Gedicht aufsagt oder eine Weihnachtsgeschichte erzählt.

"Heute": Sie sind sehr figurbewusst. Haben Sie auch zu Weihnachten die Kekse gestrichen?
Jurtschak: Bei seiner Mutter nicht, sie macht die besten Vanillekipferl der Welt.

"Heute": Silvester findet dann im Burgenland statt?
Doskozil: Silvester findet in der Nähe des Burgenlands statt. Da sind wir bei Freunden eingeladen.
Jurtschak: Eine sehr gute Freundin von mir ist kurz nach mir aus Aalen ins Burgenland gezogen. Die hat hier auch einen Mann kennengelernt, jetzt wohnt sie 30 Kilometer von uns entfernt – eigentlich eine unglaubliche Geschichte.

"Heute": Feuerwerk?
Doskozil: Nein, für mich nicht.
Jurtschak: Nein.

"Heute": Menü?
Jurtschak: Irgendwas, was man schön in der Gruppe essen kann – Fondue, Raclette, es muss sich halt etwas hinziehen.

"Heute": Apropos hinziehen: Die Krise der SPÖ ist schon lange Thema in den Schlagzeilen. Hat sich Pamela Rendi-Wagner eigentlich bedankt, dass Sie ihren Sturz abgeblasen haben?
Doskozil: Es war in dieser Situation wichtig, sie zu unterstützen. Es geht um strukturelle und inhaltliche Probleme, um die Frage der Positionierung der SPÖ. Eine Personaldiskussion verdeckt die Probleme, löst sie aber nicht. Ich weiß: Das sehen in der SPÖ nicht alle so. Gott sei Dank hat es aber die Mehrheit so gesehen.

"Heute": Haben Sie sich aktiv in die Diskussion eingebracht?
Doskozil: Selbstverständlich. Ich habe Anrufe bekommen und relativ deutlich gewisse Ansinnen mitbekommen und dann sehr klar meine Meinung geäußert, wo die SPÖ hingehen sollte. Ein Sturz der Vorsitzenden wäre nicht zielführend gewesen.

"Heute": Gibt es jetzt einen Weihnachtsfrieden?
Doskozil: Ich merke schon, dass es jetzt etwas ruhiger ist, dass die Luft draußen ist. Jetzt sollten alle daran arbeiten, wie wir mit diesen 27 Kündigungen umgehen. Da müssen wir gemeinsam eine Lösung zustande bringen und die die Diskussion mit Anstand führen.

"Heute": Wird auch der enorme Schuldenstand der SPÖ diskutiert. Können diese knapp 15 Millionen Euro jemals abbezahlt werden?

Doskozil: Wir haben einen Tilgungsplan beschlossen. Die Schulden müssen abgebaut werden, da gibt es keine Diskussion. Darum hat es mich befremdet, dass die Beraterverträge erst zeitlich versetzt gekündigt werden – das war ein Fehler. Die hätten sofort aufgelöst werden müssen. Ich glaube nicht, dass ein Nedeljko Bilalic und Co. die SPÖ geklagt hätten. Es kann nicht sein, dass die SPÖ auf der einen Seite Mitarbeiter kündigen muss, auf der anderen Seite aber Verträge, die unnötig sind, weiterzahlt.

"Heute": Die SPÖ benötigt diese Beratungstätigkeiten nicht?
Doskozil: Nein. Wir haben einen Personalstand leicht unter 80, da muss diese Expertise vorhanden sein.

"Heute": Wann ist die SPÖ schuldenfrei?
Doskozil: Der Plan sieht vor: in fünf Jahren. Wenn keine Wahlen dazwischenkommen. Das Dilemma ist zutage getreten, weil nach der verlorenen Wahl weniger Parteienförderung fließt.

"Heute": Sie sagen immer, Sie bleiben im Burgenland. Was müsste passieren, dass Sie die SPÖ übernehmen?
Doskozil: Das ist für mich nicht denkbar. Ich will im Burgenland was bewegen, die Leute vertrauen auf mich. Wenn man das macht, verspielt man die Glaubwürdigkeit und dann hat man schon den ersten Schritt gesetzt, wo man in der Politik verliert. Das mache ich nicht.

"Heute": Ihr Ziel im Burgenland ist ein Plus. Liebäugeln Sie auch mit der absoluten Mehrheit?
Doskozil: Das ist undenkbar – schauen Sie sich nur an, wo wir auf Bundesebene bewegen und welche Diskussionen wir führen.

"Heute": Wo steht die SPÖ im Burgenland Ihrer Meinung nach?
Doskozil: Ungefähr bei den 42 Prozent der letzten Landtagswahl. Ein noch so kleines Plus ist da schon ein Gewinn.

"Heute": Und dann Rot-Blau?
Doskozil: Seien wir nicht so hochmütig und sprechen jetzt schon über Koalitionen. Inhaltliche Übereinstimmung und gegenseitiges Vertrauen sind für eine Regierung unerlässlich. Bei Gesprächen werden wir nach der Wahl sehen, wer dieses rechtfertigen kann.

"Heute": Hat Johann Tschürtz jemals Ihr Vertrauen missbraucht?
Doskozil: Kein einziges Mal. Wir haben sogar noch zusätzliche Themen gesetzt, die nicht im Koalitionspakt vereinbart waren. Die FPÖ ist auch da mitgegangen, weil sie gesehen hat: Das sind die richtigen Themen. Das ist ein Zeichen von Handschlagqualität.

"Heute": Wäre das mit der ÖVP umsetzbar gewesen?
Doskozil: Unser Mindestlohn von 1.700 Euro netto sicher nicht.

"Heute": Das Land sucht nun Reinigungskräfte um 2.450 Euro brutto. Da gab es teils Kritik über die Höhe.
Doskozil: Das sind 10 Euro netto in der Stunde – für eine vielleicht alleinerziehende Frau, die Miete zahlen und leben können muss. Die Wirtschaft will ja auch, dass die Frau zum Frisör geht, dort 80 Euro zahlt oder mit ihrem Auto in die Werkstatt fährt und dort 110 Euro in der Stunde zahlt. Wie soll sie das stemmen? Ich diskutiere die Höhe von 1.700 Euro netto daher sehr gerne. Das ist ein gerechter Lohn.

"Heute": Sie stellen auch pflegende Angehörige im Burgenland an.
Doskozil: Ja, im Jänner werden das bereits 80 Menschen sein. Zum Mindestlohn von 1.700 Euro.

"Heute": Welche Rückmeldungen bekommen Sie eigentlich bezüglich Ihrer angeschlagenen Stimme?
Doskozil: Das ist kein Thema für die Menschen. Man muss nicht immer perfekt sein, viele Burgenländer haben gesundheitliche Einschränkungen und bringen ihre Leistung. Es wird von Tag zu Tag besser, ich mache meine Übungen und kann meinem Job uneingeschränkt nachgehen. 2020 folgt noch eine OP, dann sollte die Sache erledigt sein.

"Heute": Kurzer Schwenk noch zum Bund: Glauben Sie an Türkis-Grün?
Doskozil: Das kommt mit Sicherheit. Die Grünen müssen sich ein bisschen zieren, dürfen sich nicht zu schnell an Türkis binden und für die internen Gremien Stärke zeigen. Aber ich glaube, das ist durch.

"Heute": Halten Sie das für eine stabile Regierung für Österreich?
Doskozil: Das muss Sebastian Kurz für sich beurteilen. Er hat ja schon zwei Mal eine Regierung vorzeitig platzen lassen. Man wird also sehen.

Lesen Sie am Montag auf "Heute.at": Das große Weihnachtsinterview mit Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).