Im Krapfenwaldl

Die Rettung der SPÖ naht und wieder sollen es die Kärntner richten. Die Verkündung ereilte uns gestern per Bootcast.

Yogamatten raus, Peter Kaiser ist da. Der Kärntner Landeshauptmann, dem sich die Hilferufe aus der Bundespartei nach ihm als rettenden Engel wohl noch zu schalmeienhaft anhören, kämpft nun mit Harfenklängen gegen Wien an. Gestern startete er seinen eigenen „Podcast“ namens „Kompass“, wobei man dazu sagen muss, dass er „Podcast“ in dem 13.51 Minuten langen Clip eher wie „Bootcast“ ausspricht, die Kärntner sind eben wirklich alle nahe am Wasser gebaut. Ich höre Kaiser schon auf der Romantikterrasse des Strandbades Maiernigg zu seinen alten SJ-Spezis sagen: „Hurchts, i hob jetzt a an Bootcast“. „Voll geil“, könnte einer aus der Runde antworten: „Oba sog Mankale, wie vüll PS hot denn dei Außenborder leicht?“

Am Wochenende war Kaiser noch am Villacher Fasching, selten ein Ort von Schalmeien und sanften Harfenklängen, aber wer in Kärnten dauerhaft bestehen will, muss das Beste aus mindestens zwei Welten in sich vereinen, wieder so etwas, wo Sebastian Kurz ein Visionär war. Richard Lugner und sein „Zebra“ trabten an, Heinz-Christian Strache ebenfalls, begleitet von „DAÖ“-Gründer Karl Baron, gemeinsam traf man auf FPÖ-Chef Norbert Hofer. Straches Nachfolger und sein künftiger Parteichef im Fasching vereint, Villach war nicht ganz Ibiza, aber die Richtung stimmte.

Auch Pamela Rendi-Wagner reiste an, vielleicht wollte sie die ersten Exemplare der Mitgliederbefragung gleich persönlich vorbeibringen, eventuell der Einfachheit halber auch schon ausgefüllt. Man sieht sie auf Bildern gemeinsam mit Peter Kaiser und beide beißen genussvoll in Faschingskrapfen eben genau nicht hinein, minutenlang müssen sie dagestanden sein, die Krapfen mit dem Staubzucker obendrauf, nur vielleicht 20 Zentimeter vom Mund entfernt, man hört die Krapfen richtiggehend betteln und flehen, „bitte macht es kurz und schmerzlos. Oder besser noch, schleichts euch heim nach Klagenfurt oder Wien!“

Beide, also Kaiser und Rendi-Wagner, nicht die Krapfen, strahlen, es gibt bekanntlich nichts Lustigeres im Land als den Villacher Fasching, die Fernsehaufzeichnung dauert in der Regel auch kaum fünf Stunden, das lässt sich leicht aussitzen. Hin und wieder schwenkt die Kamera her und dann muss man sich so abhauen, dass es einem fast von der Bank schleudert, am Faschingsdienstag will das eine Million Österreicher im Fernsehen sehen. Wehe ihr seid nicht gut drauf.

Vienna waits for me

Am Montag darauf: Harfenklänge. Stille. Dann meldet sich eine fast priesterliche Stimme, sie gehört Peter Kaiser. Man erwartet nun, dass er Sätze sagt wie: „Stellen Sie die Beine locker nebeneinander, legen Sie die Hände auf den Oberschenkel, atmen sie tief ein und wieder aus und wieder ein“. Aber nein, Kaiser geht es forsch an, wenn auch seine Stimme sanft bleibt. „Aufgabe der Politik ist es, Orientierung zu bieten,“ sagt er. „Ich möchte als politischer, als sozialdemokratischer Kompass fungieren. Mein Name ist Peter Kaiser. Ich lade Sie ein, meinen Gedanken zu folgen“.

Wieder ein bisschen Harfe, dann folgen wir den Gedanken von Peter Kaiser wie er es uns aufgetragen hat. Er erzählt erst einmal ein bisschen was über sich, oder besser, er lässt ein paar andere ein bisschen was über sich erzählen, es ist ein positives Bild, das gemalt wird, auch in Kärnten hat sich herumgesprochen, dass mit Autosuggestion nicht das jährliche GTI-Treffen gemeint ist. Er sei in Villach gewesen, sagt er, dort hätten ihn Leute angesprochen. „Sie sind einer der Lichtblicke der SPÖ. Auf Bundesebene wäre es halt auch gut, wenn man sich das ein bissl zum Vorbild nehmen könnte“. Irgendwer daheim in der Löwelstraße? Muss der Ruf des Volkes noch lauter sein?

Er versuche dann immer so zu antworten, fährt Kaiser fort: „Ja, ich weiß wie schwierig es ist, in der Opposition zu sein, dass man weder die Zuwendung der Medien in großem Ausmaß hat, noch mit jeder wichtigen und noch so wichtigen Botschaft auch medial rüberkommt.“ Ich verstehe nicht, warum er Strache nicht gefragt hat, wie es ist wenn man „weder die Zuwendung der Medien in großem Ausmaß hat, noch mit jeder wichtigen und noch so wichtigen Botschaft auch medial rüberkommt“, wo er doch am Villacher Fasching fast Tisch an Tisch saß mit dem früheren Vizekanzler und sie gemeinsam über Witzchen lachten, deren Pointe man schon erahnte, als die Gags noch dabei waren, von der Südautobahn Richtung Congress Center abzubiegen.

DAÖ spielt die Musik

Die Gedanken fliegen weiter ins Kaisers „Kompass“, der Richtung Wien weist. „In der Politik herrsche sehr viel Inszenierung vor“ spielt er auf Christian Kern an, dann stellt er sich tollkühn Ralf Dahrendorf entgegen („die Sozialdemokratie ist unverzichtbar“), danach nimmt er sich den Neoliberalismus zur Brust, der sich „in die Hirne und in die Herzen geschlichen“ habe. Auf der Welt herrsche „die gierige und maßlose Aneignung des Profites“. Dagegen anzusteuern sei die Aufgabe der Sozialdemokratie, „übrigens ähnlich wie im Urchristentum“. Das kam jetzt etwas plötzlich.

Über Kreisky und die 68er-Bewegung hantelt sich Kaiser wieder zu sich selbst zurück, wo anders könnte die Lösung nahe sein. „Immer wenn es um Krisen einer Partei geht“, sagt Kaiser, „gibt es so genannte Richtungsdebatten. Zu rechts, zu links, mehr in die Mitte. Ich halte viel vom Kärntner Weg. Er orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen“.

Man müsste jetzt einwenden: Der „Kärntner Weg“ hat sich, zeithistorisch gesehen, schon einmal an den „Bedürfnissen der Menschen“ orientiert, das hat dann halt ein paar Milliarden Hypo-Euros Steuergeld gekostet, aber man mag Kaiser nicht bremsen, der jetzt, aufgeladen durch die Energie der Krapfen, sagt: „Wenn mich jemand fragt, Herr Landeshauptmann, sind sie eher links oder rechts, dann würde ich sagen. Ich bin auf Seite der Menschen und das kann jede positive Richtung sein."
Harfenmusik.

Bruchlandung

Im Verhältnis zwischen Österreich und Airbus war auch schon einmal mehr Liebe drin. Es ist schade, dass es aktuell Misstöne zwischen der Republik und dem Flugzeugbauer gibt, wo man doch bald gemeinsam das 20-jährige Jubiläum eines tolldreisten Vertrages begehen könnte. Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel könnte seine damaligen Minister, Herbert Scheibner etwa oder Martin Bartenstein, an der Hand nehmen und gemeinsam mit ein paar Pappbechern, Rotkäppchensekt und Soletti ins Landesgericht fahren, um dort mit Karl-Heinz Grasser auf die alten Zeiten anzustoßen. Damals, als man sich noch nicht wunderte, was alles möglich ist.

So aber schickt uns Airbus pampige Briefe, das muss jetzt auch nicht sein. Am 13 Februar klang das noch recht manierlich. Da schrieb Dirk Hoke, CEO von „Airbus Defence and Space“, handschriftlich an die „Sehr geehrte Frau Verteidigungsministerin, liebe Frau Tanner“. Zunächst gratulierte er ihr „herzlich“ zur Ernennung und übermittelte „die besten Wünsche für diese schöne, jedoch auch in vielen Aspekten herausfordernde Aufgabe“. Den Spott erkennt man nicht leicht.

Hoke erwähnt nebenbei, dass sein Unternehmen für viele Arbeitsplätze in Österreich sorge („Airbus ist der größte Einkäufer dieser Branche“), lobt, no na, die österreichische Justiz über den grünen Klee („unvoreingenommen“, „vertrauen voll und ganz“) und ersucht dann um einen Termin, um „einen persönlichen Gesprächsfaden“ aufzunehmen.

Dieser Gesprächsfaden war offenbar sehr dünn und riss bald, eine echte Freundschaft kann das nicht gewesen sein. Österreichs Verteidigungsministerin richtete Airbus ein paar Unfreundlichkeiten aus, die vielleicht nicht so gemeint waren, immerhin peilte man ja dasselbe Ziel an, nämlich einander zu treffen. Klaudia Tanner formulierte das halt so: „Airbus wird mich noch kennenlenen“.

Genau darauf legt der Hersteller nun keinen Wert mehr. Am vergangenen Freitag trudelte im Wiener Verteidigungsministerium ein Mail von Chantal Jonscher, Corporate Secretary Airbus Defence and Space“, ein. Man stehe nunmehr „für ein Gespräch in Wien in dem in der gestrigen Pressekonferenz geschilderten Format nicht zur Verfügung“. Und: „Sollte es doch noch zu einem Treffen in München (am Rande der Sicherheitskonferenz, Anm.) kommen, möchten wir hiermit in aller Deutlichkeit klarstellen, dass wir nicht bereit sind, über eine irgendwie geartete ,Wiedergutmachung' bzw. Schadenersatz oder eine Aufhebung bzw. Rückabwicklung des Liefervertrages mit Ihnen zu sprechen“. Es war keine CD mit Harfenmusik beigelegt, es hätte aber gutgetan.

Romeo und Julia

Wenigstens im Burgenland passt wieder alles. Hans Peter Doskozil wurde gestern mit 35 von 36 Stimmen zum Landeshauptmann gewählt, auf dem Stimmzettel mit der einzigen ungültigen Stimme stand vielleicht Hans Niessl, Hans Krankl oder Hansi Hinterseer, die Burgenländern sind ja bekannt für ihren feinen Humor. In seiner Rede entschuldigte sich Doskozil für die Idee, seine Verlobte Julia Jurtschak zur Claira Underwood vom Neusiedler See zu machen, er sei einem „persönlichen Denkfehler“ aufgesessen. „Ich stehe nicht an, auch an dieser Stelle zu sagen, dass es im Nachhinein betrachtet mit Sicherheit ein politischer Fehler war, diese Entscheidung so zu treffen“. Seine Julia stand dann nicht an, ihren Verlobten abzubusseln, dass man die Schmatzer bis tief hinein in die Pannonische Tiefebene hören konnte.

Gut zu wissen, dass die Liebe sich noch nicht aufgegeben hat in diesem Land.
Möge Ihr wunderbarer Dienstag auch zum Küssen sein.

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