Töchter & Söhne

Kid Pex

Wenn ihm etwas nicht passt, dann legt er sich eben mit den Leuten an. Egal ob es die FPÖ ist, die Polizei oder der "Volks-Rock'n'Roller" Andreas Gabalier. Kid Pex macht seinem Ärger öffentlich Luft - und das brachte ihm des öfteren einige Schwierigkeiten ein.

Der heute 36-Jährige ist in Zagreb, in Kroatien, zur Welt gekommen. Seine ersten Jahre verbrachte er dort, bevor es aufgrund des Krieges nach Italien ging. Er möchte nicht bemitleidet werden, betont Kid Pex ganz klar.

Der "Tschuschenrapper"

Dennoch möchte er sich auch nicht schämen und sagt: "Ich bin ein Flüchtling. Aber wenn man es genau nimmt, ist ganz Wien ein Flüchtling", erklärt der selbsternannte "Tschuschenrapper".

In Mailand besuchte Kid Pex noch ein paar Jahre die Schule, danach ging es geradewegs nach Wien. Der Aktivist erinnert sich ganz genau: "Die ersten Momente in Wien waren nicht so schön. Die Mentalität ist anders. Hier war alles ruhig und kalt."

Auch an seine Schulzeit in Österreich hat der Rapper unschöne Erinnerungen: "Ich habe Rassismus von einzelnen Lehrern verspürt." Diese sollen ihn und seine Art nur schwer akzeptiert haben. Wenn er sich schlecht benommen hat, habe man ihm gesagt: "Das kannst du bei deinen Jugos machen".

Kid Pex meint, so habe man ihm zu verstehen gegeben, dass er doch nicht ganz Willkommen ist. Doch anstatt sich darüber zu ärgertn, hat er eben seinen eigenen Weg eingeschlagen: "Willst du Jugo, bekommst du Jugo".

Der Haken ist das 'ić'

Sein Weg beinhaltete 'Provokation'. Er zog sich nur mehr Trainingsanzüge an, ging damit in die Schule und ließ sich nichts vorschreiben. So habe man ihm davon abgeraten in Deutsch zu maturieren, doch darauf hörte der Rapper nicht.

"Man hat immer versucht den Haken zu finden. Dabei hab ich den Haken schon längst. Beim 'ić'", spielt Kid Pex auf seinen Nachnamen an. Er wisse, dass man "die Jugos" in der Gesellschaft mittlerweile aufgewertet habe. Doch seiner Ansicht nach aus nur einem Grund: "Um andere abzuwerten. Das ist etwas ganz dreckiges."

Kid Pex wollte nicht sich nicht in seinem stillen Kämmerlein über die Misstände ärgern. Er ging auf die Straße und kämpfte dagegen an. Der gebürtige Kroate ging auf Demos, suchte die Konfrontation in Talk-Shows, machte Musik.

Gemeinsam mit der Organisation "SOS Balkanroute" stellte er etwas großes auf die Beine. In regelmäßgen Abständen werden ganze LKW-Ladungen an Spenden gesammelt, die bedürftigen Menschen in Bosnien zugute kommen.

Fahrten nach Bosnien

Dabei war er bei der ersten Fahrt zum Balkan nicht auf die Umstände vorbereitet: "Wir sind vollkommen naiv losgefahren und wussten nicht was uns erwartet." Die Bilder, die sich Kid Pex dort gezeigt haben, bekommt der Aktivist heute nicht mehr aus dem Kopf: "Die Menschen trinken Abwasser, haben keine Duschmöglichkeiten, werden geschlagen." Ein Dokument von über 1.600 Seiten wurde an die Justizministerin Alma Zadic (Grüne) übergeben. "Es ist schwer zu beschreiben, was nur knapp 200 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt passiert", so Kid Pex.

Heuer bekam er für seinen Einsatz sogar den "Ute-Bock-Preis" verliehen. Die Ehrung freue ihn zwar, aber: "Es ist natürlich schön. Auch wenn Heinz Fischer einem winkt und so. Aber kein Preis der Welt nützt etwas, wenn er nichts bewirkt."