Arschknapp

Die Kehrseite des Wiener Wahlkampfes
– und die Bilder davon.

Ich verspreche, ich halte Sie heute nicht lange auf. Es passiert momentan auch nicht viel in Österreich. Also es geschieht schon einiges, die Aufregung ist allerorten groß, aber meist doch sehr künstlich. Das bringt mit sich, dass ich mich kaum mehr dazu aufraffen kann, mir die TV-Duelle zur Wien-Wahl im Fernsehen anzuschauen. Das ist gegenüber allen , die daran beteiligt sind, natürlich unfair, aber was sollte nach Blümel gegen Wiederkehr noch Aufwühlenderes kommen, Maurer gegen Wöginger eventuell? Okay, Nepp gegen Strache könnte  noch putzig werden. Was das Riesenrad trennte, will der ORF III heute einen. Viel Vergnügen!

Die Idee, jeden Abend andere Spitzenkandidaten gegeneinander antreten zu lassen, ist pfiffig. Wie könnte man einen Tag schöner ausklingen lassen als mit den leisen Zwischentönen von Dominik Nepp, dem Raucherhusten von Heinz-Christian Strache, dem Schönbrunner-Deutsch von Christoph Wiederkehr, der Reduziertheit von "Braveheart" Gernot Blümel, dem Klimakreuzzug von Birgit Hebein, oder dem bezaubernden Lächeln von Michael Ludwig? Aber so nach dem zweiten Tag hätte man im Studio im Wiener Funkhaus auch Bäume pflanzen und sie explodieren lassen können, Trump hätte seine helle Freude gehabt.

Die Wiener Grünen haben die Erstwähler entdeckt. Sie schreiben jetzt allen einen Brief, er ist in grüner und pinker Schrift gehalten. Man will mutmaßlich nicht mit den Neos verwechselt werden, aber wenn einem Jungwähler oder einer Jungwählerin genau das Malheur bei der Wahl passiert und er oder sie kreuzt irrtümlich die Grünen an, dann ist es auch okay, in diesem Alter sind die Kleinen ja noch recht tapsig.

Als Jungwähler fühlt man sich gleich am Kuvert angesprochen. Die Parteispitzen der Grünen sind ja zum überwiegenden Teil schon im gehobenen Alter und da versucht man sich zumindest sprachlich jung zu halten. Man bemüht Worte, die man im Internet liest, bei den Kindern hört, im Fernsehen aufschnappt, das meiste verwendet man falsch, hinter dem Rücken kichern die Teenager dann über uns, sie glauben, wir hören das nicht, dabei sind unsere Hörgeräte tipptopp eingestellt, der Hartlauer ist unser neues Wirtshaus, der hat auch keine Registrierungspflicht.

Die Grünen sind in Wien thematisch sehr breit aufgestellt. Sie beschäftigen sich mit dem Klima, dem Klimaschutz und dem Schutz des Klimas, das ist auch auf dem Kuvert abzulesen. „Tu was gegen die Klimakrise mit Deiner Stimme“, steht da. Was man am 11. Oktober für das Klima, den Klimaschutz und den Schutz des Klimas tun kann, ist auch aufgeführt, die Grünen Wien wählen. Wenn man nämlich am 11. Oktober die Wiener Grünen wählt, dann rufen die am Tag danach bei Xi, Putin und Trump an und sagen denen, dass sie jetzt keine Kohle mehr verheizen sollen, das Autofahren einstellen müssen und gefälligst das Fracking bleiben lassen, sie hätten jetzt einen Auftrag bekommen, vom Pauli nämlich, ja nennen wir ihn Pauli, den Erstwähler aus Wien.

Dem Pauli aus Wien haben die Grünen jetzt geschrieben und damit er gleich versteht, worum es geht, steht am Kuvert auch noch: „Retten wir der Erde den Arsch!“ Jetzt wusste ich nicht, dass die Erde einen „Arsch“ hat, aber weil den Grünen der Ausdruck so gefallen hat, kommt der „Arsch“ im beiliegenden Brief noch drei Mal vor, einmal sogar mit einer Karikatur, auf der zu sehen ist, wie der Erde der Arsch brennt. Die Grünen machen Pauli das Wählen auch ganz einfach, sie schreiben: „Am 11. Oktober ist deine erste Wien-Wahl: Da stehen zwar viele Parteien am Stimmzettel – aber eigentlich geht es nur um eine Frage: Retten wir der Erde den Arsch?“

Die Grünen halten 16-Jährige offenbar für ein bisschen plem-plem oder begriffsstutzig, sie reden mit ihnen in einer Art gehoben Babysprache. Teenager in diesem Alter lösen Exponentialgleichungen, arbeiten in der Schule die Personenkonstellation von Goethes „Faust“ auf und erkunden in Physik „mechanische Schwingungen“, einige haben schon einen richtigen Beruf, andere bereits Familie, auf ATV gibt es eine eigene Serie darüber. Aber den jungen Depperln man muss man natürlich erklären, dass sie sich durch die neun Parteien, die auf den meisten Wiener Wahlzettel stehen, nicht verwirren lassen, sondern die Grünen wählen sollen, sonst sind sie am Arsch und später ist es dann das Klima und wer das durch eine falsche, fahrlässige Stimmabgabe zu verantworten hat, ist ein Arsch.

Am Arsch ist die Jugend vermutlich sowieso, Corona hat da gar keine Schuld. Die Grünen warnen: Wenn alle so weiter tun wie bisher, dann „gibt es irgendwann wirklich kein Morgen mehr“. Gottlob kann man der Apokalypse entkommen. „Am 11. Oktober ist Klimawahl“, steht im Brief, was ich nicht wusste, denn ich dachte, es geht um den Gemeinderat, im Brief aber ist auch ausgeführt, warum es eine "Klimawahl" ist, denn es geht schlicht um ein Ziel: „Retten wir der Erde den Arsch!“ Die gute Erde wird sich ziemlich belästigt fühlen, wenn ihr irgendwelche fremden Leute dauernd den Arsch retten wollen.

Am Arsch vorbei

Da lobe ich mir die Eleganz des Bundespräsidenten. Alexander Van der Bellen hielt gestern im Parlament eine Festrede zu „100 Jahre Verfassung“. Er mahnte angesichts der Corona-Pandemie zu „Augenmaß und Umsicht“, der Appell kann nicht an die Regierung adressiert gewesen sein, denn dort ist beides in Hülle und Fülle vorhanden, es wird in den Pressekonferenzen fortlaufend nach außen getragen. Schon gar nicht war Türkis-Grün gemeint, als der Bundespräsident von einer „notwendigen Zumutung“ sprach. Er meinte damit die  „dramatische“ Einschränkung verfassungsrechtlicher Grund- und Freiheitsrechte, was wiederum sehr wohl die Regierung betraf. „Notwendige Zumutung“, den Begriff schreibe ich mir in mein nicht vorhandenes Stammbuch. Das ist brillant.

So, ich habe es versprochen, heute ist schneller Schluss. Das liegt daran, dass ich Ihnen den Wiener Wahlkampf einmal in Fotos erzählen will. Wir Leute von „Heute“ veranstalten ja traditionell vor Wahlen „Öffi-Talks“, also wir fahren mit den Spitzenkandidaten eine oder mehrere Strecken ihrer Wahl ab und interviewen sie dabei. Das hat den Vorteil, dass Politiker aus ihrem gewohnten Rahmen gerissen werden und es verleitet sie hin und wieder zu Aussagen, die sie im Büro vielleicht nicht so getroffen hätten. Ich darf an Finanzminister Gernot Blümel erinnern, der in der 1-er-Bim gestand, dass sein Konto noch nie im Minus war und an Integrationsministerin Susanne Raab, die im D-Wagen mit der Aussagen vor allem Frauen überraschte, am Arbeitsplatz noch nie Sexismus erlebt zu haben.

Genießen Sie die Fotos, alle sind von Helmut Graf, bis auf den „Öffi-Talk“ mit Gernot Blümel, die sind von Sabine Hertel. Wir haben eine ziemlich lässige Foto-Truppe bei „Heute“, wollte ich bei der Gelegenheit einmal sagen.

Sonntag bin ich in der „Pressestunde“ mit Dominik Nepp. Das wird sicher irgendwie was auch immer. Ein wunderbares Wochenende Ihnen allen. Lassen Sie sich nicht vom Föhnsturm verblasen. Sonst sind sie echt am Arsch und nicht allein das Klima.

Cool, der Häupl

Waldmensch

Sperrbezirk

Wahlkrampf

Klimahandel

Egoshooter

Schirmherrschaft

Wo wor mei Leistung?

Man beachte die Beine

Der Strache sitzt vorne, oder?

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