Töchter & Söhne

Ben Saber

"Hier geboren, doch mein Herz liegt weit weg von mir entfernt", heißt es im Song "El Hama" von Ben Saber. El Hama - ein kleines Dorf in Tunesien. Quasi mitten in einer Wüste. Mitten im Nichts.

Der 25-jährige Musiker hadert in der Single ein wenig mit seiner Identität. Der Grund: "Wenn ich nach Tunesien reise, bin ich ein Ausländer. Hier bin ich aber auch ein Ausländer".

Probleme in der Schule

Ben Sabers Geschichte fängt schon in den 70ern an. Damals kam sein Vater über Umwege nach Österreich. Hier eröffnete er ein Geschäft, baute sich eine Basis auf. Nach zehn Jahren holte er seine Frau nach. Die zwei bauten sich ein neues zu Hause auf. Es war jedoch nicht immer einfach.

Der 25-Jährige erinnert sich, dass er immer wieder mit Rassismus konfrontiert wurde. So zum Beispiel in der Schulzeit: "Es fängt damit an, dass sie deinen Namen falsch aussprechen". Er geriet teilweise sogar mit Lehrern aneinander, weil sie Mitschülerinnen mit Kopftüchern diskriminierten. Der Sänger sei bereit gewesen handgreiflich zu werden, wurde jedoch glücklicherweise von seinen Kollegen aufgehalten. Darüber ist er heute froh.

Auch im Alltag erlebe Ben Saber immer wieder, dass er anders behandelt werde, nur weil er eine etwas dünklere Hautfarbe habe, meint er. So stieß ihm kürzlich ein älterer Herr, der ihm entgegen kam, seinen Ellenbogen in den Bauch. Eine Entschuldigung gab es nicht. Im Gegenteil: "Er gab mir die Schuld dafür".

Der Musiker erklärt: "Man bekommt das schon mit, wenn man mit dünklerer Haut durch Wien spazieren geht." Er spüre die Blicke anderer Personen. Egal ob in der U-Bahn, beim Einkaufen oder eben beim Spaziergang.

"Behandelten mich, wie einen Flüchtling"

Negativer Höhepunkt für Ben Saber: Als er einmal keinen Fahrschein vorweisen konnte, habe man ihm keine Möglichkeit gegeben sich zu erklären. "Ich weiß, jetzt sagt man wieder, das sei eine Ausrede, aber so war es nicht", betont der 25-Jährige.

"Sie haben mich behandelt, wie einen Flüchtling, der gerade aus dem Ausland gekommen ist und kein deutsch versteht", führt Ben Saber weiter aus. Das führte dazu, dass dem Sänger die Sicherungen durchbrannten: "Es kam zu einer Rangelei, weshalb ich dann ein Jahr auf Bewährung kam". Sinnlos - das weiß Ben Saber heute.

Die Musik half ihm dabei, sich abzulenken. Zunächst fing er an Songs von US-Amerikanern zu covern. Als er dann mit den Songs von Xavier Naidoo in Berührung kam, änderte er seine Vorliebe. Er wechselte zur deutschen Sprache.

"Ich habe mich wohler gefühlt in der Sprache, die ich besser verstehe", so Ben Saber. Auf deutsch konnte er seine Gefühle besser zum Ausdruck bringen.

Einmal Großfeldsiedlung, immer Großfeldsiedlung

Ob er jemals auf arabisch singen möchte? Möglich. Er setzt auch jetzt schon hier und da ein paar Wörter ein, die seine Wurzeln markieren. Seine "Muttersprache" bleibt aber definitiv deutsch.

Mit seinen Songs konnte er mittlerweile für einiges an Aufsehen sorgen. Nach mehreren Releases in Eigenregie unterschrieb der junge Musiker einen Vertrag bei Sony Music. Die Debut-Single "Solide" knackte innerhalb kurzer Zeit die Millionen-Marke auf Spotify.

Und wie sieht es nun mit ihm und El Hama aus, dem Dorf aus dem seine Familie stammt? Ben Saber hat schon einmal versucht nach Tunesien zu ziehen: "Nach drei Monaten habe ich abgebrochen". Es sei nicht seine Welt gewesen. Seine Welt ist die Großfeldsiedlung im 21. Wiener Gemeindebezirk: "Ich sehe mich als Neu-Österreicher. Ich habe schon vor hier zu bleiben. Für immer."