Töchter & Söhne

Ke'rem

"Wie viele Leute bist du?" - Definitiv ein Satz, der Ke'rem in den vergangenen Jahren geprägt hat. Und die Frage wurde dem jungen Klosterneuburger sogar von einer ziemlich bekannten Persönlichkeit gestellt: Samu Haber, Frontmann der Band "Sunrise Avenue".

Zugegeben: Die zwei haben sich nicht zufällig auf der Straße getroffen und über gespaltene Persönlichkeiten diskutiert. Dennoch wurde ein Millionenpublikum Zeuge des Gesprächs.

Nicht der klassische Niederösterreicher

Im Jahr 2016 nahm Ke'rem bei der deutschen Casting-Show "The Voice" teil. Er versuchte sich am Mega-Hit "Sugar" von "Maroon 5". Spoiler: Keiner der Juroren drehte sich um. Der 28-Jährige flog schon nach dem ersten Auftritt aus der Show. Doch nach seinem Abgang wurde er dennoch wieder auf die Bühne gerufen. Und zwar aus einem Grund: Die Jury konnte nicht fassen, dass eine einzelne Person die tiefen und hohen Töne problemlos hinschmettern konnte. Sie nahm an: Da mussten mindestens zwei Kandidaten gesungen haben. Deshalb fragte Samu gezielt nach: "Wie viele Leute bist du?"

Nun, vier Jahre später, könnte man Ke'rem dieselbe Frage stellen. Vielleicht in einem etwas anderen Kontext. Denn der Sänger weiß, er entspricht nicht dem klassischen Bild eines Niederösterreichers.

Zunächst fiel Ke'rem der Unterschied gar nicht auf: "Im Kindergarten war ich der einzige Türke. Aber damals war es scheißegal wer du bist. Du warst ein Kind wie alle anderen auch". Mit der Zeit realisierte er, dass doch etwas anders ist: "Alle hießen Patrick, Philipp und Paul. Ich habe mich gefragt, wieso ich Kerem heiße". Diesem Umstand wollte er irgendwie entgegenwirken. "Deshalb habe ich mir den Namen Kevin gegeben", so der 28-Jährige.

Zu "Komplikationen" kam es auch zur Weihnachtszeit. Heute kann er zwar über die Situation lachen, als Kind aber so gar nicht: "Ich hatte Angst vor dem Nikolo. Ich wusste nicht was der macht. Alle anderen wussten das."

In Wien zum "Ausländer" geworden

Ein weiteres Missverständnis passierte dann zur Schulzeit. Nach den tragischen Terrorangriffen auf das World-Trade-Center in New York, wollte die Lehrerin des Sängers ein kurzes Gebet für die Opfer sprechen. Dabei forderte sie auch die Schüler zum Aufstehen auf. "Ich dachte, das ist was Christliches und blieb sitzen", erklärt Ke'rem. Das führte jedoch dazu, dass die Lehrerin die Geste als respektlos empfand: "Aber ich wusste das nicht, ich konnte ja nicht den Gebetsteppich ausrollen."

Seit einigen Jahren lebt der junge Mann mit Wurzeln in der Türkei in Wien. Erst hier wurde ihm so richtig klar, dass er "anders" ist: "Plötzlich war ich in der anderen Gruppierung." Dadurch, dass er als Ausländer "abgestempelt" wurde, suchte er sich auch Freunde mit Migrationshintergrund. Das Ergebnis: "Ich habe dann das 'R' gerollt und den Artikel vergessen". Dabei handelte es sich aber lediglich um eine Phase. Mittlerweile achtet Ke'rem wieder auf die Grammatik.

Für den Musiker ist jedenfalls deinitiv klar: Wien ist seine Heimat. Die Türkei ist höchstens ein Urlaubsort. Eventuell könnte er sich einen Zweitwohnsitz in Berlin vorstellen. Aber die Basis wird für Ke'rem immer die österreichische Bundeshauptstadt sein, ist er sich sicher. Er selbst sieht sich auch nicht als Ausländer, sondern ganz klar als Österreicher.

Musikalisch möchte der 28-Jährige noch hoch hinaus. Sein Ziel ist es, einmal einen Grammy abzusahnen. Bis dorthin ist es zwar noch ein langer Weg, aber die ersten kleinen Schritte hat Ke'rem schon gemacht.

Mittlerweile ist seine zweite Single released worden. Die erste, "Remedy", wurde gut im Radio aufgenommen. Der Folgesong "Our Own Cartoon" sogar noch besser. Damit konnte er sich sogar schon fast den Top 10 der Ö3-Austrocharts platzieren. Diese verpasste er nur knapp und landete auf der 11. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.