Töchter & Söhne

Pireli

"Wien ist meine Stadt", das ist für Pireli klar. Dabei weiß er selbst, dass man ihm gar nicht anhört, dass er ein "Wiener" ist: "Ich weiß, viele sagen, ich habe noch einen starken Akzent. Aber das gehört zu mir. Ich will den auch behalten".

Pireli wurde in Bosnien geboren. Sein Leben war vor allem in den jungen Jahren alles andere als Sorgenfrei. Der Grund: "Als ich 10 Jahre alt war, fing der Krieg an."

Ein Jahr im Keller

Eine Zeit, an die er heute nur ungern zurückdenkt: "Wir wohnten im 12. Stock. Wenn die Sirene losging, mussten wir in den Keller laufen. Die kam aber gleich drei Mal am Tag. Ich habe gedacht, bleib lieber gleich unten". Der heute 39-Jährige verrät, dass er aus diesem Grund knapp ein Jahr lang in seinem Keller gelebt hat.

Irgendwann beschloss seine Familie aus Bosnien zu flüchten. Zunächst nach Kroatien: "Normalerweise bräuchte man 45 Minuten für die Fahrt. Wir haben damals sechs Tage gebraucht". Nach einem Aufenthalt in Istrien, kam Pireli schließlich in Wien an. Seiner jetzigen Heimat.

Bevor er aber nach Wien kam, fand er schon Gefallen an der Musik. In Jugoslawien machte er "bei einer Art Kiddy Contest" mit, wie er erklärt. Dass er nur wenige Jahre später, auf den wohl größten Rapper im deutschsprachigen Raum treffen wird, hätte er sich zum damaligen Zeitpunkt wohl nicht gedacht.

Bei einem Spaziergang durch den 19. Wiener Gemeindebezirk, kommen bei dem Rapper alte Erinnerungen hoch. Ein Blick auf seine alte Wohnung reicht und Pireli fängt an zu erzählen: "Hier auf der Straße haben wir immer Rennen gemacht. Ich habe immer die Fahne für den Start gehalten. Es war wirklich laut".

Dass der Rapper Gefallen am 19. Bezirk gefunden hat, dürfte überraschen: "Man hat immer gelacht, ich sei der Nobel-Jugo. Dabei wollte ich einfach nicht, dass es bei mir immer nach Sarma riecht", lacht Pireli. Er erklärt, dass er sich in seiner Jugend zum Großteil in Rudolfsheim-Fünfhaus oder Favoriten aufgehalten hat. Wenn er aber nach Hause kam, war es ihm wichtig gewesen Ruhe zu haben.

RAF und Pireli – Team von Anfang an

Pireli erklärt auch, dass er nie sonderlich große Probleme mit Fremdenfeindlichkeit hatte: "Ich habe mich immer wohl gefühlt. Aber das ist auch immer eine Einstellungssache. Ich habe immer versucht, die Kultur zu verstehen und anzunehmen".

Dabei ließ er aber nie die Musik aus den Augen. Pireli erinnert sich, an ein Musikstudio, in dem er eine ganz besondere Bekanntschaft machte: "Das war ein ganz kleines Studio. Dort habe ich dann RAF Camora getroffen. Wir haben uns nicht gekannt, aber ich sah sofort, dass aus ihm etwas ganz Großes werden wird".

Bis heute pflegt der 39-Jährige eine enge Freundschaft zu dem Rapper. Egal ob bei Musikvideodrehs, Schallplatten-Übergaben oder einfachen Abendessen: Wo RAF Camora ist, kann Pireli nicht weit entfernt sein.

Beim Spaziergang wird nochmal die Liebe zu Wien thematisiert. Dabei erwähnt Pireli, dass er durch und durch bosnisch sei: "Aber hier ist mein zu Hause!"

Ein Grund, weshalb er Wien als seine Heimat betrachtet: "Hier fühle ich mich sicher. Immer wenn ich in Bosnien bin, fallen mir die Granaten ein, die über meinen Kopf geflogen sind. Das kann ich nicht vergessen".

"Wenn das dritte Weltkrieg wäre..."

Auch Corona spricht der Rapper an. Jedoch in einer etwas anderen Art, als es man es erwarten würde: "Ich kenne Leute, die meinen, das Krieg besser wäre, als die aktuellen Maßnahmen. Diese Leute haben keine Ahnung", zeigt sich Pireli zornig. Und weiter: "Wenn das gerade der dritte Weltkrieg wäre, dann können wir uns alle glücklich schätzen. Einen Krieg will wirklich niemand haben. Und das soll auch niemand erleben!"